Was die Alten schon wussten

Es war in den Tagen von Ashikaga Yoshizumi, des 26. Shoguns, und also im frühen 16. Jahrhundert. Frau Miyazakis Ahnin, Michiyo, war damals ein junges Mädchen, das im Badehaus mithalf – denn auch dieses bestand schon damals. Michiyo befand sich damals im heiratsfähigen Alter, doch war ihr "keiner gut genug", sehr zum Leidwesen ihres Vaters, wie Frau Aiko uns erzählte.
Eines Tages begegnete ihr jedoch ein buddhistischer Mönch, dem sie auf den ersten Blick völlig verfiel. Er war nicht gewillt, seinen Gelübden abzuschwören. Doch hatte er Mitleid mit dem Schmerz des Mädchens. Deshalb lehrte er sie das Geheimnis der Balance: wie man durch Pflege und Bäder, mit Kräutern bereitet, in sich versinken und das Gleichgewicht mit sich und der Welt wiederfinden könne. Alles, was sie brauche, so der Mönch, finde sie in den Pflanzen der Natur: Bambus, Schwarzen Reis, Lotus, Magnolie und jene besonders wertvollen ätherischen Öle, deren Kraft wir heute noch nutzen. Das Geheimnis liege nur in der richtigen Mischung.
Michiyo, so die Familienlegende, ließ sich dadurch einigermaßen trösten. Sie probierte die Rezepte des Mönches aus, und bald fanden sie ihren Weg ins Badehaus, wo sie dessen besonderen Ruf begründeten: Nirgends, heißt es, finde man rascher zu sich selbst als im Badehaus Ikoh. Noch heute werden dort die Bäder nach den Rezepten dieses namenlosen Mönches bereitet.